Das Herrenhaus de Montenach

    Quellenangabe: Auszug aus der Biographie de Castella (Kant. Bibliothek FR)


    Vermutlich 1766 für Tobie-M.-Joseph de Montenach, Hauptmann in französischen Diensten, erbaut.

    Ofenplatte aus Gusseisen, ca. 1513, im Cheminée in der Bibliothek eingebaut. Herkunft ungeklärt. Johannes Baptist und Johannes Evangelist. Château de Belfaux.Ofenplatte aus Gusseisen, ca. 1513, im Cheminée in der Bibliothek eingebaut. Herkunft ungeklärt. Johannes Baptist und Johannes Evangelist. Château de Belfaux.Belfaux besitzt im heutigen Herrenhaus „Château de Belfaux“ eines der schmucksten Landhäuser Freiburgs von seltener künstlerischer Qualität. Ein kubischer, allseitig hell verputzter Baukörper, der sich im Grundriss nur wenig vom Quadrat entfernt, ist mit der breiteren Eingangsfront nach Südwesten gerichtet, wobei die drei mittleren der insgesamt fünf Achsen enger zusammengerückt, mit kräftigen Sandsteinlisenen wie an Kranzgesims von einem flachen Frontispiz bekrönt werden. Darüber erhebt sich ein stattliches und elegant geschweiftes Mansardenwalmdach mit Lukarnen in den unbetonten Aussenachsen. Auf der nordwestlichen Gartenfront und der ihr gegenüberliegenden südöstlichen Schmalseite muss bei gleicher rhythmischer Anordnung und Achsenzahl ein rascherer Takt eingehalten werden; die innern Lisenen kamen dadurch in Wegfall. Auf der Rückseite mit fünf gleichmässig verteilten Achsen schloss sich in der Mittelachse der übliche Toilettenanbau an, der inzwischen einem breitern Flügel weichen musste.

    Auf den drei Schauseiten wird die Wandfläche zwischen den beiden Geschossen in allen Fensterachsen durch querrechteckige Sandsteinauflagen mit abgeschrägten Ecken belebt; die inneren Achsen der Strassenfront sind hier zusätzlich durch Festons dekoriert. Alle Fensterformen stimmen überein: über ziemlich energisch profilierten Bänken setzen flächige, stichbogige Rahmen an. Das Türgewände des Ausganges in den Garten auf der Nordwestseite ist durch einen Stab ausgezeichnet, und in seinem Scheitel sitzt ein ovales Relief mit Jagdsymbolen und umgelegten Lorbeerfestons; die Kartusche im reicher profilierten Rahmen des Haupteinganges ist arg verwittert. Beide Eingänge sind überdies durch drei Stufen vom Gelände abghoben.

    Ofenplatte aus Gusseisen, ca. 1513: Stigmatisation des hl. Franz von Assisi. Herkunft ungeklärt. Château de Belfaux.Ofenplatte aus Gusseisen, ca. 1513: Stigmatisation des hl. Franz von Assisi. Herkunft ungeklärt. Château de Belfaux.Castellas schlichter anmutender Plan wollte in der Eingangsfront die drei Mittelachsen in Sandstein aufführen und leicht risalitieren; auf der Gartenseite begnügte er sich mit rahmenden Lisenen, wie sie dann ähnlich auf der Eingangsfront zur Ausführung kamen. Auf der Südostseite sah er nur drei Lichter vor. Im gleichgestalteten Mansardwalm sollten auf der Gartenseite drei, über der Eingangsfront dagegen fünf Fenster ausgeführt werden, wobei der Eingangsfront dagegen fünf Fenster ausgeführt werden, wobei man auf ein Fronton verzichtete. Alle Lichter erhielten Ohrenrahmen, dazu im Obergeschoss der Gartenseite wie in beiden Geschossen des Risalits auf der Eingangsfront Konsolen unter der Fensterbank.

    Die Ausführung des Herrenhauses präsentiert sich bedeutend flächiger, zugleich aber konzentrierter und kompakter als der Plan. Dies trifft schon für den Baukörper als solchen zu, dessen Schauseiten einander in Achsenzahl und Rhythmisierung angeglichen wurden. Noch auffälliger tritt diese flächige Haltung in den Dekorationselementen zutage, die überdies im Dienste der vertikalen Wandbetonung stehen, handle es sich nun um den Fronton, die breiten Lisenen oder die Wandfelder, denen auf der Eingangsfront in den Zwickeln des Frontispizes Sandsteinauflagen entsprechen. Alles in allem gesehen ist daher die Ausführung weit fortschrittlicher als der (vorhandene) Plan ausgefallen.

    Die Innenausstattung hält sich bis auf unwichtige Einzelheiten an den Entwurf  Castellas. Auf alle Fassaden entfallen drei Räume: an der Strassenfront belegte das Treppenhaus die mittlere und die rechts davon gelegene Achse. Der Speisesalon liegt im Erdgeschoss und umfasst diedrei zentralen Lichter der nordwestlichen Gartenseite, er ist im Norden und im Süden von je zwei kleinen Kabinetten flankiert. Dem Treppenhaus entspricht auf der Rückfront die Küche. An der südöstlichen Schmalseite haben zwei Schlafzimmer Platz gefunden, zwischen welche sich ein kleines Kabinett schiebt. Das Obergeschoss mit dem Salon über dem Speisezimmer folgt ungefähr dem gleichen Einteilungsschema.

    Die gediegene alte Innenausstattung befindet sich in einem sehr gepflegten Zustand. Die meisten Zimmer sind im Sockel mit niederen gradlinigen Vertäferungen ausgekleidet;  die z.T. originalen Gipsdecken weisen vielfach noch geschwungene Hohlkehlen auf, und auch manche alte Tannenböden mit Eichen- und Nussbaumriemen haben sich erhalten. Fast in jedem Raum des Hauses steht ein altes Cheminée oder ein Ofen, von denen die Mehrzahl der Stilrichtung Louis XVI angehört. Ein besonders schönes und reiches Cheminée mit einem Louis XV-Spiegel ist die Zierde des Salons, und ein stattlicher Rocailleofen steht im Speisesaal.

    Die vortreffliche Wirkung des Schlösschens wird durch seine Lage gesteigert. Nordwestwärts steigt man über eine grosse Freitreppe mit Gartenhäuschen in den Flanken in den tiefer gelegenen Garten hinab, während man südwestlich über eine sanfte Halde zum Haupteingang an der Hauptstrasse gelangt, wo ein weiteres Gartenhäuschen steht. Belfaux ist ein Juwel im Werk Castellas. Der Plan dazu stammt aus dem Jahre 1766; möglicherweise war unser Architekt auch noch am Umbau beteiligt, der nach dem Besitzerwechsel zu Ende der neuziger Jahre unternommen wurde.